Planung + Produktion
In dieser Rubrik veröffentlichen wir interessante Artikel und Informationen
Die neue Führungsperson – ist es die Richtige?
Von den Führungspersönlichkeiten hängt es wesentlich ab, ob ein Unternehmen erfolgreich ist oder nicht – aber wählen wir immer die „Richtigen“ aus?
Obwohl die Wichtigkeit der Personalauswahl unbestritten ist, kommt es bei der Besetzung von Kaderstellen immer wieder zu fatalen Fehlentscheidungen. Abgesehen von den Kosten einer Fehlbesetzung – das 2 bis 5fache Jahressalär der neu eingestellten Führungskraft – provozieren unfähige Führungskräfte ihrerseits eine Erhöhung der Fluktuationsrate, denn die Mitarbeitenden kündigen meistens nicht dem Unternehmen sondern wegen der Chefin oder dem Chef.
Wenn Führungskräfte versagen – und das ist nicht selten der Fall – dann ist der Mangel an Führungsqualitäten die häufigste Ursache. Zur Hauptsache liegen die Gründe für das Scheitern aber vor allem bei den Verantwortlichen für die Personalauswahl und einem unsorgfältigen Vorgehen im Selektionsprozess. Weil Persönlichkeitseigenschaften schwierig zu erfassen und zu beurteilen sind, stützt man sich bei Personalentscheiden oft nur auf Fachkompetenzen, Beziehungsnetze und Stromlinienförmigkeit oder lässt sich von redegewandten Traumtänzern und Egomanen beeindrucken.
Charakter und Führungsstärke müssen immer differenziert beurteilt und gewichtet werden. Entscheidend sind vor allem Bedeutung und Wirkung bestimmter Eigenschaften auf die Entwicklungsziele der Firma. Es stellen sich die Fragen welcher Menschentyp für welche Aufgaben und für wie lange in eine Funktion passen. Unternehmen verändern sich laufend und es gibt keine Persönlichkeit die jederzeit immer alle gewünschten Führungsqualitäten in sich vereint. Führen bedeutet demnach auch den Willen und die Bereitschaft zu haben das eigene Wissen, Können und Verhalten ständig zu entwickeln und den jeweiligen Anforderungen anzupassen.
Führen hat weder mit sozialer Abstammung oder fachlicher Brillanz zu tun, Führen heisst auch nicht die neusten Motivationstechniken und -Rezepte kennen, Führen hat vor allem mit der eigenen Person und den Fähigkeiten zu tun, ehrlich, glaubwürdig und verantwortungsbewusst zu handeln. Gute Führungspersönlichkeiten verstehen es, im Unternehmen ein „Wir-Gefühl“ aufzubauen und ein Umfeld zu schaffen in dem sich die Menschen entwickeln und entfalten können. Gemeinsam getragene Ziele geben den Mitarbeitenden Orientierung und motivieren sie, alles zu tun um die ihnen übertragenen Aufgaben bestmöglich zu erfüllen.
Gut führen heisst aber auch kommunizieren. Oft stehen Führungskräfte unter dem Zwang zu allem etwas sagen zu müssen und praktizieren dabei eine Einwegkommunikation. Sie versuchen, mit perfekt inszenierten Auftritten, ihre Botschaften an die Frau und an den Mann bringen. Diese Fähigkeiten zum „Senden“ werden auch entsprechend geschult, trainiert und perfektioniert. Dabei „vergessen“ die meisten, dass mindestens 50% einer guten Kommunikation auch aus „Empfangen“ beziehungsweise aus Zuhören besteht. Aus der Unfähigkeit zuzuhören – und die meisten Menschen sind ineffektive Zuhörende – entstehen Missverständnisse, Verfälschungen und Fehler die im Unternehmen viele vermeidbare Kosten verursachen können.
Personen mit Führungsqualitäten – sie können durchaus kantig sein – kommunizieren klar, sind selbstdiszipliniert, berechenbar, respektvoll, können Kritik annehmen und fördern ein Arbeitsklima von Vertrauen und Offenheit.
Autor
Hans H. Betschart
consulting@interpers.ch
www.interpers.ch